Ein Meeting, in dem niemand mehr etwas sagt, ist selten ein Zeichen von Einigkeit. Meistens ist es das Gegenteil.
Stille im Team ist oft die lauteste Form von Widerstand. Wer sie ignoriert, verpasst den Moment, in dem sich ein Konflikt noch klären liesse – bevor er sich festsetzt.
Ich erinnere mich an ein Team, das über Monate hinweg in jedem Meeting nickte, zustimmte, nichts hinterfragte. Erst ein externer Blick machte deutlich: Diese Ruhe war keine Harmonie, sondern Erschöpfung.
Zwei Mitarbeitende hatten sich Monate zuvor über die Aufteilung eines Projekts gestritten. Niemand hatte den Konflikt moderiert, also verschwand er – nach aussen. Nach innen blieb er, unsichtbar, und lähmte jede offene Diskussion.
Als wir den Konflikt endlich ansprachen, kippte die Stimmung zunächst. Es wurde unbequem, laut, ehrlich. Aber genau das war der Anfang: Erst als das Unausgesprochene ausgesprochen war, kehrte echte Zusammenarbeit zurück – keine Pseudo-Harmonie, sondern eine, die etwas ausgehalten hatte.
Seitdem frage ich in jedem Team, das mir zu ruhig erscheint, dieselbe Frage: Ist das hier Zustimmung – oder Rückzug?