Zum Inhalt springen

Tipptime

Themen

  • Zwischen Terminen, Nachrichten und ständigen Unterbrechungen wirkt echter Fokus fast wie ein Luxus. Dabei ist er trainierbar – wie ein Muskel.

    Zwischen Terminen, Nachrichten und ständigen Unterbrechungen wirkt echter Fokus fast wie ein Luxus. Dabei ist er trainierbar – wie ein Muskel.

    Der erste Schritt ist oft der einfachste: bewusst entscheiden, woran man gerade nicht arbeitet.

    Viele Menschen, mit denen ich arbeite, versuchen, Fokus durch mehr Disziplin zu erzwingen. Das funktioniert selten dauerhaft – Disziplin ist eine begrenzte Ressource, die im Laufe des Tages abnimmt.

    Wirksamer ist es, die Umgebung so zu gestalten, dass Fokus leichter fällt: feste Zeitfenster ohne Benachrichtigungen, ein klar definiertes „Heute nicht“ für alles, was warten kann, und die bewusste Entscheidung, nicht auf jede Anfrage sofort zu reagieren.

    Ein Klient von mir hat testweise für zwei Wochen alle Benachrichtigungen ausser Anrufe deaktiviert. Sein erster Kommentar danach: „Ich habe vergessen, wie sich ein ungestörter Gedanke anfühlt.“

    Fokus entsteht nicht dadurch, dass man versucht, alles gleichzeitig im Blick zu behalten. Er entsteht, wenn man den Mut hat, bewusst nicht alles im Blick zu behalten.

  • Ausstrahlung hat wenig mit dem perfekten Auftritt zu tun. Sie entsteht, wenn jemand ganz bei der Sache ist – ruhig, klar, präsent.

    Ausstrahlung hat wenig mit dem perfekten Auftritt zu tun. Sie entsteht, wenn jemand ganz bei der Sache ist – ruhig, klar, präsent.

    Menschen spüren Präsenz, lange bevor sie ein einziges Wort gehört haben.

    Ich habe mit vielen Menschen gearbeitet, die sich vor einem wichtigen Auftritt wochenlang auf jedes Detail vorbereitet haben – die perfekte Folie, die perfekte Formulierung, den perfekten Ton. Und trotzdem wirkten sie im Raum unsicher.

    Der Grund war fast nie mangelnde Vorbereitung. Es war die Anspannung, alles richtig machen zu müssen. Diese Anspannung überträgt sich – auf das Publikum, auf das Gegenüber, auf jeden im Raum.

    Präsenz entsteht dort, wo jemand aufhört, sich selbst zu kontrollieren, und anfängt, wirklich da zu sein. Nicht fehlerfrei, sondern echt. Ein kurzes Zögern, ein ehrliches Lächeln, ein Moment des Nachdenkens – all das wirkt oft überzeugender als jede perfekt einstudierte Antwort.

    Ausstrahlung lässt sich nicht inszenieren. Aber man kann lernen, den eigenen Perfektionsanspruch loszulassen – und genau dadurch präsenter zu werden.

  • Führung zeigt sich selten in grossen Reden. Sie zeigt sich in kleinen Momenten: wie jemand zuhört, wie jemand eine schlechte Nachricht überbringt, wie jemand Verantwortung übernimmt, wenn es unangenehm wird.

    Führung zeigt sich selten in grossen Reden. Sie zeigt sich in kleinen Momenten: wie jemand zuhört, wie jemand eine schlechte Nachricht überbringt, wie jemand Verantwortung übernimmt, wenn es unangenehm wird.

    Diese stille Sprache lernt man nicht in einem Seminar – man übt sie, Tag für Tag, in echten Situationen.

    Eine Führungskraft, mit der ich lange gearbeitet habe, sagte einmal: „Die wichtigsten Sätze, die ich als Chef gesagt habe, waren nie geplant.“ Sie meinte die kurzen Momente zwischen Tür und Angel, in denen sich zeigt, ob jemand wirklich zuhört oder nur wartet, bis er selbst wieder reden darf.

    Ich beobachte das oft in Krisensituationen: Wer in ruhigen Zeiten übt, klar und ehrlich zu kommunizieren, dem fällt es in stürmischen Zeiten leichter, Haltung zu bewahren. Wer es aufschiebt, merkt in der Krise, dass ihm die Sprache fehlt.

    Stille Führung bedeutet auch, auszuhalten, nicht sofort eine Lösung zu haben. Viele Führungskräfte glauben, sie müssten in jedem Moment eine Antwort parat haben. Dabei ist oft genau das Gegenteil überzeugender: zuzugeben, dass man gerade selbst noch sucht.

    Am Ende bleibt das, was Mitarbeitende sich merken, selten die grosse Rede zur Unternehmensstrategie. Es bleibt der Moment, in dem jemand ehrlich war, obwohl es unbequem gewesen wäre, es nicht zu sein.

  • Es gibt einen Moment, in dem aus einer Position plötzlich echte Führung wird: wenn jemand eine Entscheidung trifft, ohne sich hinter dem Team zu verstecken.

    Es gibt einen Moment, in dem aus einer Position plötzlich echte Führung wird: wenn jemand eine Entscheidung trifft, ohne sich hinter dem Team zu verstecken.

    Dieser Moment lässt sich nicht erzwingen. Aber man kann sich darauf vorbereiten.

    Ich habe diesen Moment oft bei neu ernannten Führungskräften beobachtet. In der Theorie wissen sie, was von ihnen erwartet wird. Aber erst in der ersten wirklich unangenehmen Entscheidung – eine Kündigung, ein Konflikt, ein unpopulärer Kurswechsel – zeigt sich, ob aus der Position tatsächlich Führung wird.

    Viele weichen in diesem Moment aus. Sie verschieben die Entscheidung, holen weitere Meinungen ein, warten auf mehr Daten. Manchmal ist das klug. Oft ist es Vermeidung.

    Vorbereitung auf diesen Moment bedeutet nicht, jede mögliche Krise durchzuspielen. Es bedeutet, sich vorher klarzumachen, für welche Werte man einstehen will, wenn es schwierig wird – damit man in der Situation selbst nicht bei null anfangen muss.

    Führung entsteht nicht im Titel. Sie entsteht in dem Moment, in dem jemand eine Entscheidung trifft und dafür geradesteht, auch wenn nicht alle einverstanden sind.

  • Vor einigen Jahren sass mir ein jüngerer Mitarbeiter gegenüber, der mich wahnsinnig machte.

    Vor einigen Jahren sass mir ein jüngerer Mitarbeiter gegenüber, der mich wahnsinnig machte.

    22, vielleicht 23 Jahre alt, ungepflegt, null Interesse, null Engagement. Er erledigte seine Aufgaben knapp – aber ohne jede Begeisterung, ohne inneres Feuer. Als würde er nur die Zeit absitzen bis Feierabend.

    Erst als ich aufhörte, ihn zu bewerten, und begann, genau hinzuschauen, zeigte sich: Es fehlte ihm nicht an Fähigkeiten. Es fehlte ihm an einem Grund.

    In den Wochen danach änderte ich meine Fragen. Nicht mehr „Warum machst du das nicht richtig?“, sondern „Was würde dich hier wirklich interessieren?“. Die erste Antwort war ein Schulterzucken. Die zweite ein zögerliches „Keine Ahnung, hat mich noch nie jemand gefragt.“

    Wir begannen, kleine Verantwortungsbereiche neu zu verteilen – nichts Grosses, aber Dinge, bei denen er selbst entscheiden durfte. Innerhalb weniger Wochen veränderte sich etwas: Er kam früher, blieb länger, brachte eigene Vorschläge ein.

    Am Ende war klar: Motivation lässt sich nicht einfordern. Sie entsteht, wenn Menschen das Gefühl bekommen, dass ihre Arbeit einen Unterschied macht – und dass jemand ihnen zutraut, diesen Unterschied selbst zu gestalten.

  • Ein Meeting, in dem niemand mehr etwas sagt, ist selten ein Zeichen von Einigkeit. Meistens ist es das Gegenteil.

    Ein Meeting, in dem niemand mehr etwas sagt, ist selten ein Zeichen von Einigkeit. Meistens ist es das Gegenteil.

    Stille im Team ist oft die lauteste Form von Widerstand. Wer sie ignoriert, verpasst den Moment, in dem sich ein Konflikt noch klären liesse – bevor er sich festsetzt.

    Ich erinnere mich an ein Team, das über Monate hinweg in jedem Meeting nickte, zustimmte, nichts hinterfragte. Erst ein externer Blick machte deutlich: Diese Ruhe war keine Harmonie, sondern Erschöpfung.

    Zwei Mitarbeitende hatten sich Monate zuvor über die Aufteilung eines Projekts gestritten. Niemand hatte den Konflikt moderiert, also verschwand er – nach aussen. Nach innen blieb er, unsichtbar, und lähmte jede offene Diskussion.

    Als wir den Konflikt endlich ansprachen, kippte die Stimmung zunächst. Es wurde unbequem, laut, ehrlich. Aber genau das war der Anfang: Erst als das Unausgesprochene ausgesprochen war, kehrte echte Zusammenarbeit zurück – keine Pseudo-Harmonie, sondern eine, die etwas ausgehalten hatte.

    Seitdem frage ich in jedem Team, das mir zu ruhig erscheint, dieselbe Frage: Ist das hier Zustimmung – oder Rückzug?

  • Die besten Ergebnisse entstehen selten durch Einzelkämpfer. Sie entstehen, wenn unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen und jemand den Mut hat, sie zusammenzubringen.

    Die besten Ergebnisse entstehen selten durch Einzelkämpfer. Sie entstehen, wenn unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen und jemand den Mut hat, sie zusammenzubringen.

    Zusammenarbeit beginnt nicht mit einem Werkzeug oder einem Prozess – sie beginnt mit Vertrauen.

    In einem Projekt, das ich begleitet habe, trafen zwei Abteilungen aufeinander, die seit Jahren aneinander vorbeiarbeiteten. Jede Seite war überzeugt, die andere verstehe die eigenen Herausforderungen nicht.

    Der erste Schritt war denkbar einfach und trotzdem ungewohnt: ein gemeinsames Gespräch, in dem beide Seiten nur zuhören durften, ohne zu widersprechen. Was danach zur Sprache kam, überraschte beide Gruppen – vieles, was sie einander unterstellt hatten, stimmte gar nicht.

    Zusammenarbeit wächst nicht durch neue Tools oder mehr Meetings. Sie wächst, wenn Menschen sich die Zeit nehmen, die Perspektive der anderen wirklich zu verstehen – auch wenn sie ihr nicht sofort zustimmen.

    Am Ende war das Projekt nicht nur erfolgreicher, sondern auch die Zusammenarbeit über das Projekt hinaus veränderte sich spürbar. Vertrauen, einmal aufgebaut, wirkt lange über den einzelnen Anlass hinaus.

  • Klassische Brainstormings produzieren oft die immer gleichen Ideen. Wer neue Wege gehen will, muss auch neue Formate wagen – stille Ideensammlung, Perspektivwechsel, bewusste Provokation.

    Klassische Brainstormings produzieren oft die immer gleichen Ideen. Wer neue Wege gehen will, muss auch neue Formate wagen – stille Ideensammlung, Perspektivwechsel, bewusste Provokation.

    Die besten Ideen entstehen dort, wo Denkgewohnheiten unterbrochen werden.

    In einem Workshop liessen wir ein Team einmal so tun, als wären sie ihr härtester Konkurrent. Die Aufgabe: Wie würden wir unser eigenes Unternehmen angreifen? Die Ergebnisse waren unbequemer – und wertvoller – als jedes klassische Brainstorming zuvor.

    Perspektivwechsel funktionieren, weil sie gewohnte Denkpfade unterbrechen. Wer immer aus derselben Rolle denkt, findet fast zwangsläufig dieselben Antworten wie beim letzten Mal.

    Auch stille Formate haben sich bewährt: Jeder schreibt zunächst für sich, ohne dass jemand mitliest. Erst danach werden die Ideen anonym gesammelt und gemeinsam diskutiert. Das nimmt den Druck, sofort eine gute Idee präsentieren zu müssen.

    Neue Ideen brauchen selten mehr Kreativität. Sie brauchen vor allem neue Bedingungen, unter denen Kreativität überhaupt entstehen kann.

  • In vielen Brainstormings gewinnt die lauteste Stimme, nicht die beste Idee. Dabei entstehen die tragfähigsten Lösungen oft im Hintergrund, bei denen, die zuerst zuhören, bevor sie sprechen.

    In vielen Brainstormings gewinnt die lauteste Stimme, nicht die beste Idee. Dabei entstehen die tragfähigsten Lösungen oft im Hintergrund, bei denen, die zuerst zuhören, bevor sie sprechen.

    Gute Ideenfindung beginnt damit, Räume zu schaffen, in denen auch leise Stimmen gehört werden.

    In einem Workshop bat ich einmal alle Teilnehmenden, ihre erste Idee für sich aufzuschreiben, bevor überhaupt jemand sprach. Das Ergebnis überraschte viele: Die Ideen der sonst eher zurückhaltenden Personen waren im Schnitt durchdachter – nicht lauter, aber tragfähiger.

    Das Problem klassischer Brainstormings liegt selten an fehlender Kreativität. Es liegt an der Struktur: Wer schnell und selbstbewusst spricht, dominiert den Raum, während andere noch formulieren, was sie eigentlich meinen.

    Wirksame Ideenfindung braucht deshalb bewusste Pausen. Zeit zum stillen Nachdenken, bevor diskutiert wird. Kleine Gruppen statt grosser Runden. Und die Bereitschaft, eine leise geäusserte Idee genauso ernst zu nehmen wie eine laut vorgetragene.

    Die besten Lösungen, die ich in den letzten Jahren begleitet habe, kamen fast nie aus dem lautesten Moment eines Workshops. Sie kamen aus der Stille danach – wenn jemand sagte: „Ich hätte da noch eine Idee, die mir vorhin nicht eingefallen ist.“

  • Widerstand im Team wird oft als Störung wahrgenommen – dabei steckt in ihm häufig wertvolle Information: über Ängste, über ungelöste Fragen, über das, was wirklich wichtig ist.

    Widerstand im Team wird oft als Störung wahrgenommen – dabei steckt in ihm häufig wertvolle Information: über Ängste, über ungelöste Fragen, über das, was wirklich wichtig ist.

    Wer Widerstand ernst nimmt statt ihn wegzudrücken, gewinnt oft die eigentliche Lösung dazu.

    Bei einer Reorganisation erlebte ich einen Mitarbeitenden, der sich in jedem Meeting quer stellte. Die naheliegende Reaktion wäre gewesen, ihn zu übergehen oder als „schwierig“ abzustempeln.

    Stattdessen fragten wir ihn direkt: „Was genau macht dir an diesem Vorgehen Sorgen?“ Die Antwort war differenzierter, als irgendjemand erwartet hatte – er hatte auf ein Risiko hingewiesen, das im gesamten Planungsprozess übersehen worden war.

    Widerstand ist selten grundlos. Er ist oft der Versuch, etwas Wichtiges sichtbar zu machen, das im normalen Ablauf keinen Platz findet. Wird er unterdrückt, verschwindet nicht das Problem – nur die Möglichkeit, es rechtzeitig zu lösen.

    Seitdem behandle ich starken Widerstand nicht mehr als Hindernis, sondern als Signal: Hier lohnt es sich, genauer hinzuschauen.